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Fakten zur Zukunftsplanung Jugendlicher

Zukunftsziele

Knapp zwei Drittel der 13- bis 22-Jährigen nennen als oberstes Zukunftsziel einen "guten Beruf" bzw. eine "berufliche Karriere". Die größten Ängste betreffen den gleichen Bereich. 37% äußern Versagensängste bezüglich Ausbildung/Beruf oder Angst vor Arbeitslosigkeit.1

Auch im Lebensgefühl der Jugendlichen spiegeln sich die Sorgen um die berufliche und materielle Zukunft wider. Hedonistische Motive einerseits, wie das Leben genießen (31%) sowie Spaß und "Fun" haben (22%), stehen Gefühlen der Perspektivlosigkeit und Verunsicherung (28%) gegenüber. Die Familie besitzt einen hohen Stellenwert. 75% der weiblichen und 65% der männlichen Jugendlichen wünschen sich eine Familie für ihr persönliches Glück. Über zwei Drittel der Jugendlichen wollen später eigene Kinder haben.2

Karriere und Familie sind für die meisten Jugendlichen gleichberechtigte Ziele. Dies gilt ebenso für die überwiegende Mehrheit junger Migrantinnen und Migranten.3 Trotz Gleichheitsanspruch beider Geschlechter ist die Enttäuschung zumindest aufseiten der Frauen später häufig "vorprogrammiert". Junge Frauen arrangieren sich insbesondere in Westdeutschland später eher mit der traditionellen "frauentypischen" Familienphase: Ausbildung und Berufstätigkeit in der ersten Phase, Familiengründung und -versorgung in der zweiten sowie beruflicher Wiedereinstieg in der dritten Phase. Die Zahl der Männer in der Elternzeit nimmt allerdings zu.4 Wenn beide Eltern berufstätig sind, wenden Frauen mit 5¼ Stunden fast doppelt so viel Zeit für die Haus- und Familienarbeit auf wie die Männer mit 2¾ Stunden.5

Die Gründe liegen in Rollenansprüchen aufseiten von Frauen wie in Rollenerwartungen vieler Männer, der Herkunftsfamilie, der Freundinnen/Freunde, der Arbeitgeberinnen/Arbeitgeber oder der Kolleginnen/Kollegen sowie in wirtschaftlichen Zwängen oder auch fehlenden flexiblen (Teilzeit-)Arbeitsmöglichkeiten und Kinderbetreuungseinrichtungen.6

Teenagerschwangerschaften und mangelnde Zukunftsaussichten

Dank erfolgreicher Präventionsarbeit und wirkungsvoller Vernetzungsstrategien von Fachkräften sinkt seit 2 Jahren erfreulicherweise die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche bei Minderjährigen in Deutschland. Dennoch wurden 2006 rund 6.600 Schwangerschaftsabbrüche und rund 6.200 Geburten bei Minderjährigen gemeldet.7 39% der Mädchen und 33 % der Jungen im Alter zwischen 14 und 17 Jahren haben Geschlechtsverkehr gehabt. Das "erste Mal" erfolgt bei immer mehr Jugendlichen "spontan", vor allem bei den Jungen. 37% von ihnen wurden von der Entwicklung des Geschehens "völlig überrascht".8

Die Ursachen von Teenagerschwangerschaften liegen in Anwendungsfehlern von Kondom und Pille, Informationsdefiziten z.B. bei der "Pille danach", einer unzureichenden  Kommunikation über Sexualität oder weisen auf Störungen im Elternhaus bzw. mangelnde berufliche Zukunftsaussichten hin.9 Das Risiko, schwanger zu werden, ist für Hauptschülerinnen fünfmal so hoch wie für Gymnasiastinnen.10 In der Akzeptanz einer Schwangerschaft sehen bildungsfernere Jugendliche offensichtlich einen Ausweg aus der sich anbahnenden Lebenskrise: "Ich werde keine Lehre kriegen - dann wenigstens ein Kind." Muttersein verheißt einen legitimierten Status, der das Selbstwertgefühl aufwertet. Die meist ebenfalls jungen Väter wollen zwar Verantwortung tragen, sind damit aber häufig überfordert.11

Die Prävention von Teenagerschwangerschaften erfordert sowohl die Thematisierung von Schwangerschaftsverhütung als auch von Zukunftsvorstellungen, Wünschen, Träumen, Sehnsüchten und Ängsten. Nur so kann eine Reflexionsebene erreicht werden, um sich mit dem Stellenwert eines Kinderwunsches auseinanderzusetzen.

Ausbildungschancen

Fast alle Jugendlichen wissen, dass die Aufnahme einer Ausbildung für den erfolgreichen Verlauf der Berufs- und Lebensbiografie entscheidend ist. Benachteiligt fühlen sich - und sind - Jugendliche mit einem geringeren Bildungsniveau.12 Besonders gering sind die Ausbildungschancen Jugendlicher mit Migrationshintergrund. In allen Wirtschaftsbereichen erreicht ihre Ausbildungsquote nicht ihren Bevölkerungsanteil. In Umkehrung zu früheren Jahren, ist der Anteil junger Migrantinnen (4,9%) unter allen Auszubildenden mittlerweile größer als der junger Migranten (4,0%).13 Schlechte Startchancen haben auch Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien, die von ihren Eltern unzureichend unterstützt werden, sowie Jugendliche mit Lernbeeinträchtigungen.

Nach Einschätzung des Deutschen Industrie- und Handelskammertags droht allerdings in wenigen Jahren ein Handwerkermangel. Hauptschülerinnen/-schüler mit einem "ordentlichen Abschluss" hätten gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz.14

Ausbildungswahl

Unabhängig von der kulturellen Zugehörigkeit bewerben sich Mädchen überproportional in "frauentypischen", Jungen in "männertypischen" Ausbildungsberufen. Im Ausbildungsberuf Industriemechanik stehen z.B. rund 50.000 junge Männer unter 2.000 jungen Frauen gegenüber (Stat. Bundesamt 2005). Demgegenüber arbeiten deutlich mehr Frauen z.B. in Kindertageseinrichtungen, in der Kranken- und Altenpflege. Seltene oder geschlechtsuntypische Berufswünsche sind zu Beginn einer Berufsorientierung durchaus vorhanden, werden aber ab dem 8. Schuljahr immer stärker verdrängt - häufig zugunsten sogenannter "Modeberufe", z.B. Kfz-Mechatroniker oder Arzthelferin.15

Jugendliche versuchen, die Belastungen der Berufsfindung auf ein Mindestmaß zu reduzieren und halten die Zahl der infrage kommenden Berufe überschaubar. Berufsbezeichnungen dienen dabei als Raster16: Was nicht interessant klingt, fällt durch. Das Spektrum der für sie infrage kommenden Berufe wird daher unterschätzt.

Fast jeder fünfte Ausbildungsvertrag (19,8%) wird vorzeitig gelöst (destatis 2006). Die Gründe liegen u.a. in unerfüllten bzw. falsch eingeschätzten Berufserwartungen der Jugendlichen sowie Spannungen zwischen Ausbildenden und Auszubildenden (Berufsbildungsbericht 2005).  

Ausbildungsreife - berufsübergreifende Sozialkompetenzen

Das Bundesinstitut für Berufsbildung und der Deutsche Industrie- und Handelskammertag 17 haben in Unternehmen die für alle Ausbildungsberufe notwendigen  Ausbildungsvoraussetzungen erfragt. Die wichtigsten persönlichen Kompetenzen sind demnach Zuverlässigkeit, Leistungsbereitschaft, Verantwortungsbewusstsein und Ausdauer/Durchhaltevermögen, gefolgt von Freundlichkeit/Höflichkeit und Teamfähigkeit. Die Leistungen der Bewerberinnen/Bewerber seien in den letzten 15 Jahren gesunken. Die Gründe liegen in den stark gewachsenen Anforderungen der Lehrberufe. Wenn Jugendliche die klassischen Kulturtechniken nicht (mehr) beherrschen und eine veränderte Arbeitsmotivation zeigen, so sei dies nicht allein den Schulen anzulasten, sondern auch einer unzureichenden Erziehung und Betreuung in den Familien.

Quellenangaben


1 vgl. Institut für Jugendforschung (IJF) (2005): Das Lebensgefühl der Jugendlichen  

2 +3 vgl. 14. Shell-Jugendstudie, 2002  

3
vgl. U. Boos-Nünning, Y. Karakasoglu (2005): Viele Welten. Zur Lebenssituation von Mädchen und jungen Frauen mit Migrationshintergrund  

4
vgl. Bundesfamilienministerium 2007  

5 vgl. BMFSFJ, Statistisches Bundesamt (Hg.) (2003): Wo bleibt die Zeit? Die Zeitverwendung der Bevölkerung in Deutschland 2001/02. Und: M. Lauk, S. Meyer (2004): Frauen, Männer und die Hausarbeit. Hintergründe der Zeitverwendung in Theorie und Empirie  

6 vgl. J. Künzler, W. Walter (2001): Arbeitsteilung in Partnerschaften. Theoretische Ansätze und empirische Befunde, in: Huinink, Johannes u.a. (Hg.). Solidarität in Partnerschaft und Familie  

7
vgl. Statistisches Bundesamt Zahlen aus 2006  

8
vgl. BZgA (2006): Jugendsexualität. Wiederholungsbefragung von 14- bis 17-Jährigen und ihren Eltern  

9
vgl. BZgA (2005): Wenn Teenager Eltern werden. Sowie: pro familia-Forschungsprojekt. Erste Teilergebnisse, pro familia Magazin 02/2006

10
vgl. pro familia s.o.

11 vgl. BZgA (2005): Teenagerschwangerschaften in Sachsen

12
vgl. 14. Shell-Jugendstudie (2002)

13
vgl. Statistisches Bundesamt, Zahl der Woche Nr. 30 vom 25.07.2006

14
vgl. Institut der deutschen Wirtschaft (2005)

15
vgl. www.learn-line.nrw.de (o.J.): Gleiche Chancen nach der Schule? ? Berufswahlorientierung als Berufs- und Lebensplanung

16 vgl. Bundesinstitut für Berufsbildung (2004)

17 
vgl. Expertenmonitor des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) (2005) und DIHK (2003)

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